Archiv der Kategorie: Gesundheitspolitik

Ein zu Hause für “austherapierte” Suchtkranke

Vor einiger Zeit kam im SRF ein Dok-Beitrag über eine Institution im Kanton Jura, wo “austherapierte” (also “nicht heilbare”) Suchtkranke (in diesem Falle Alkoholiker) ein Zuhause finden, an dem nicht mehr versucht wird, sie von der Sucht weg zu bringen.

Für alle in der Psychiatrie tätigen (und natürlich auch alle anderen Interessierten) ein spannder Beitrag – echt empfehlenswert.

http://www.srf.ch/sendungen/dok/ganz-unten-ein-ort-im-jura-wo-scheitern-erlaubt-ist

Da will ich gar nicht zu viele Worte verschwenden, sehet selbst :-) !

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Pflege auslagern?

Seit ich im Geriatrie-Bereich arbeite, setze ich mich vermehrt mit verschiedenen Betreuung- oder Pflegeformen und unterschiedlichsten Institutionen auseinander. Besonders im Umgang mit Menschen mit einer Demenz ist sowohl von Angehörigen als auch Pflegepersonal immer wieder grosse Flexibilität, Kreativität und auch Nervenstärke gefragt.

Eine Form der Betreuung, von der man in den letzten Jahren immer wieder gehört oder gelesen hat, ist die Unterbringen von Menschen mit Demenz in Einrichtungen in Thailand. Aufgrund der niedrigen Lebenskosten ist es dort möglich, PRO KLIENT UND KLIENTIN DREI PFLEGEKRÄFTE einzustellen. Umstände, wie sie in der Schweiz nur schwer vorstellbar sind.

Auch wenn es nebst den eindeutigen Pros defintiv auch einige Gegenargumente für eine “Auslagerung” der Pflege gibt, finde ich es ein spannendes Konzept, das vermutlich auch Zukunft haben wird.

Und auf jeden Fall ist es Wert einmal genauer hinzuschauen und zu hinterfragen. Aber sehet selbst: http://www.alzheimerthailand.com/AlzheimerThailand/Index.htm

9783038124818xl

Ich lese übrigens gerade das Buch “Mit Alzheimer im Land des Lächelns” von einem Pionier in diesem Bereich – sehr empfehlenswert und (wenn ich recht informiert bin) auch in der ZAG-Bibliothek zu finden!

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BSc Ernährung & Diätetik – Mein Studium als Ernährungsberaterin

So, die Ex-Zaggerin meldet sich mal wieder zu Wort. Die ersten Wochen des Studiums sind vorüber und ich muss ganz ehrlich sagen, bereits nach dem ersten Tag voller Informationen hat mein Kopf schon ein bisschen geraucht. Aber es gefällt mir sehr gut, soweit ich das nach 4 Wochen Studium schon sagen kann und weil das Studium ERB im Raum Zürich leider nur selten bis gar nicht an den Schulen vorgestellt wird (war zumindest bei unserer ZAG-Klasse so, was ich sehr schade fand), möchte ich euch etwas dazu erzählen und wenn ihr euch dafür interessiert und weitere Fragen habe, dürft ihr mir auch gern eine Mail schreiben.

1392651926_37b38d17Wir hatten am Ende unserer FaGe Ausbildung mal einen Morgen, wo uns verschiedene Berufsgruppen und Studiengänge vorgestellt wurden. Dabei waren auch alle FH-Studiengänge wie Pflege, Hebamme, Ergo und Physio doch die ERB wurde komplett weggelassen, obwohl sie genauso ein FH-Studium ist, ihr braucht also eine abgeschlossene Ausbildung mit BMS oder die gymnasiale Matura (je nach erlerntem Beruf oder mit der gymnasialen Matur müsst ihr vorher noch ein Praktikum machen, aber das ist in den anderen Studiengängen glaub ähnlich). Seid ihr erstmal angemeldet und eure Unterlagen geprüft, beginnt das Aufnahmeverfahren. Es besteht aus zwei Teilen, der erste ist schriftlich und der zweite ist praktisch (ihr müsst unter anderem in einer Gruppe kochen) und er enthält noch ein Gespräch im Beisein einer Psychologin. Und die Aufnahmeprüfung ist kein Zuckerschlecken, dass kann ich euch jetzt schon sagen. Es gibt in Bern (ja, den Studiengang gibt es in der Deutschschweiz wirklich nur in Bern) nur 55 Studienplätze und am ersten Teil der Zulassung waren bei mir sicher 300 Leute, also gebt Gas, denn ihr seid nicht die einzigen!

Habt ihr es dann geschafft, erwarten euch drei spannende Jahre. Im ersten Jahr geht es um die Basics und um den gesunden Menschen. Hier haben, das habe ich schon gemerkt, Leute aus dem Gesundheitswesen wie beispielsweise FaGe’s einen klaren Vorteil, wenn es um die ganze Anatomie und Physiologie geht. Ein weiterer grosser Teil neben dem Modul Anatomie ist die Biochemie und die Ernährungslehre inkl. Kochen, wo ihr teilweise auch auf Teilchenebene die Nährstoffe analysiert und euch anschaut, ein gewisses Flair für Naturwissenschaften wäre also nicht schlecht. Im weiteren Verlauf kommt dann Psychologie und die Beratungslehre dazu, was auch ein grosser Teil ist. Dann kommt im Winter das erste Praxismodul und in den Sommerferien das zweite. In der ERB haben wir die praktischen Module nicht semesterweise, sondern sie sind über das gesamte Studium verteilt und werden immer länger und häufiger. Hier müsst ihr wissen, dass es schweizweit nur sehr wenige Betriebe gibt, die Studierende unterstützen und ihr damit rechnen müsst, dass ihr auch mal ins Vallis oder nach Graubünden oder sonst wo hin müsst, um ein Praktikum zu machen, da nicht alle der rund 50 Studenten um die Ecke ins beliebte Uni- oder Inselspital kann.

Im zweiten Jahr geht es um den kranken Menschen. Ihr vertieft und verknüpft also das, was ihr im ersten Jahr gelernt habt. Im dritten Jahr geht es dann noch um die ganz komplexen Situationen und natürlich um eure Bachelor Thesis, die ihr schreiben müsst. Habt ihr das dann alles geschafft, stehen euch noch 10 Monate Praxis bevor, die ihr absolvieren müsst, um euch euer Diplom “abzuverdienen”.

Allgemein kann ich sagen, dass es mir wirklich sehr gut gefällt, es aber wirklich nicht gerade stressfrei ist. Man rechnet mit 40% Präsenzstudium (also die Zeit, die ihr in der Schule verbringt, was täglich von 8 bis 17 Uhr ist) und mit 60% Selbststudium (also dem, was ihr zu Hause noch bearbeiten und lernen müsst) und ich kann euch sagen, das kommt etwa hin. 50:50 ist es auf jeden Fall, denn, das haben wir alle schon gemerkt, ihr müsst schon zu Beginn sehr viele Arbeiten und Analysen schrieben, welche dann als Zulassung zu den Modulabschlussprüfungen gelten. Ihr kommt also nicht darum herum sie zu schreiben, wenn ihr das Modul und eure Credits haben möchtet. Was mir hier noch als wichtig erscheint, ist das Problem der Wohnsituation. Wie gesagt, ihr könnt das Studium nur in Bern machen, an der ZHAW gibt es den Studiengang nicht. Und wenn ihr dann noch jeweils 1-2h pendeln müsst und dann nocht die 50-60% Selbststudium dazu kommen, wird es eng. Ich bin deshalb froh, eine Wohnung in Bern zu haben, von der aus ich in 10min an der Schule bin. Jeder muss es selber wissen, doch aus Gesprächen mit anderen, die pendeln, kann ich euch sagen, dass es echt hart ist und die ersten sich schon jetzt nach 3 Wochen pendeln eine Wohnung oder eine WG suchen. Aber wie sagt man so schön, das Leben ist kein Ponyhof und ein Bachelorabschluss fällt einem auch nicht ohne zu arbeiten in den Schoss.

Weitere Infos zum Studium, Zulassungsbedingungen etc. findet ihr unter:

http://www.bfh.ch/studium/bachelor/gesundheit/ernaehrung_und_diaetetik.html

Oder schreibt mir eine Mail, wenn ihr wer von mir und meinem Studienalltag wissen möchtet unter sandywe(at)bluewin.ch

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Schoggi-Traum

Immer in meinen Ferien ist für mich kulinarische Offenheit angesagt. Im Alltag flüchtet man sich in bekannte Gerichte und beschränkt sich auf Esswaren, die man bereits kennt. In den Ferien will man etwas erleben und dazu gehört auch, kulinarisch mal neue Wege zu gehen.

In meinen letzten Ferien in La Réunion hiess das konkret Fische, Meeresfrüchte, Carry etc. Zu einem schönen Essen gehört meiner Meinung nach aber auch immer etwas süsses und da fand ich meinen absoluten Lieblingsdessert im französisch geprägten Südseeparadies – ein warmes Moelleux au chocolat mit flüssigem Kern. Davon kann ich seither nicht genug kriegen.

Ich bin zwar noch nicht dazu gekommen aber ich habe mir seit dem fest vorgenommen, einmal selbst auszuprobieren, ob man das auch selbst hinkriegt. Dazu werd ich dann wohl zum altbewährten Betty-Bossi-Kochbuch greifen. Für alle von euch, die das gerne selbst ausprobieren wollen hab ich auch ein Rezept (leider nicht von Betty) im Internet gefunden:

http://lillyson.wordpress.com/2012/10/31/moelleux-au-chocolat-ein-heisskaltes-finale/

viel Spass beim Ausprobieren und “ÄN GUETE” :-D

 

 

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Body Integrity Identity Disorder (BIID)

BIID? Noch nie gehört? So ging es mir bis vor einigen Tagen auch noch.
Die sogenannte Body Integrity Identity Disorder meint eine Störung, bei der Betroffene das Gefühl haben, dass eines oder mehrere Gliedmassen nicht mehr zu ihrem Körper dazugehören oder nicht dem eigenen Selbst angehören. Solche Leute äussern auch häufig den Wunsch, sich diese Gliedmassen amputieren zu lassen, da es für sie eine Last ist und sie tagtäglich bedroht und sie den Gedanken daran nicht mehr loswerden können, dass dieses körperteil nicht zu ihnen selbst dazugehört.

Dieser übermässige Wunsch, mit einem Körperteil weniger zu leben und somit als körperlich behinderte oder beeinträchtigte Person zu leben, ist bei betroffenen Personen so stark, dass sie sich die betroffenen Gliedmassen oftmals abbinden, verstecken oder gar verletzen. Ein Betroffener in der Schweiz lebt seit Kindesalter mit dieser Störung und seit diesem Alter verspürt er auch den Wunsch, sich das Bein zu amputieren, da er sagt, es gehöre nichrt zu ihm. Er bindet sich täglich, wenn er zu Hause ist, den Unterschenkel an den Oberschenkel und simuliert so einen Stumpf. Ein anderer Betroffener in Australien hatte ein so starkes Verlangen, das Körperteil endlich loszuwerden, dass er sich ersatzweise zuerst einen Teil seines Fingers abgetrennt hat und anschliessend, als das nichts genützt hat, sein Bein für 7 Stunden in Eis gelegt, damit es soweit abstirbt, dass die Ärzte es amputieren mussten. Einen kurzen Film über diesen mann könnt ihr hier schauen:

Natürlich amputiert kein Arzt ein gesundes und funktionsfähiges Bein, doch sie operieren beispielsweise Männer, die zu Frauen werden wollen. Auch diese Menschen verändern sie stark und entfernen genauso gesunde Körperzellen und -teile, doch diese Art von Veränderung ist in der Gesellschaft (einigermassen) akzeptiert. Weshalb ist es die BIID nicht? Was haltet ihr davon? Sollte man solchen Leuten ihren Wunsch einer Amputation erfüllen?

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